BMW-V8-Sonderkarosserien


Vor dem zweiten Weltkrieg war es für viele Automobilhersteller üblich, die Karosserien für ihre Modelle auswärts bei einer oder mehreren Karosseriebaufirmen herstellen zu lassen. Somit bot sich für den Kunden auch die Möglichkeit, einen Aufbau nach seinen Wünschen auf das von ihm beim Werk erstandene Fahrgestell mit Motor bauen zu lassen.


Auch BMW ließ vor dem Krieg zahlreiche Karosserien bei fremden Unternehmen herstellen. Für die Nachkriegsmodelle 501 und V8 entstanden die Karosserieteile aber alle in eigener Regie, einmal abgesehen davon, daß in der ersten Zeit das Karosseriebauwerk Baur aushalf. Für Sonderaufbauten boten sich die großen BMW geradezu an. Da die BMW-Techniker weiterhin auf die konventionelle Rahmenbauweise setzten, war es den Karossiers möglich, mit weniger aufwendigen Verstärkungen und Verstrebungen am Chassis auskommen zu können, als sie eine selbsttragende Karosserie erforderlich gemacht hätte.


Als vorteilhaft stellte sich auch das angeschweißte Stahlarmaturenbrett des 501 heraus, das im Gegensatz zu der hölzernen Ausführung der 502-Modelle zur Stabilität der Gesamtkonstruktion beitrug. So entstanden bei zahlreichen Karosseriebaufirmen Sonderaufbauten auf der Basis der großen BMW, wobei ebenso elegante wie unbefriedigende Lösungen gefunden wurden. Oft handelte es sich um Coupes oder zweitürige Cabriolets, seltener dagegen wurden Viertüren-Cabriolets oder gar Repräsentationslimousinen von der Kundschaft geordert. Zeitweilig wurden Autenrieth und Baur karossierte Coupes bzw. Cabriolets im offiziellen BMW-Verkaufsprogramm geführt.


Neben diesen Fahrzeugen entstanden auch einige Sonderfahrzeuge als Polizeiwagen und Einsatzleitwagen der Feuerwehr. Sowohl in Niedersachsen als auch in Bayern wurden die 501 und V8 im Polizeidienst auf der Autobahn und in den Städten gefahren, wobei sie sich als die damals schwersten bei der deutschen Polizei eingesetzten Personenkraftwagen hervorragend bewährten.

 


Ein frischrestauriertes Polizeifahrzeug, Typ 2600, Bj. 65


Desweiteren gab es eine Gruppe von Karosseriebaufirmen, die auf Nachfrage den Kunden das boten, was das BMW-Werk nicht bereit war zu bieten: Es handelt sich um Kombinationskraftwagen, welche in den 50er- und 60er-Jahren auch bei Mercedes-Benz eher Imageschädigend eingestuft wurden. Der Einsatz erfolgte in der Regel als Kranken- oder Leichenwagen.

Es ist zu vermuten, daß von diesen Karosseriefirmen noch weitere Aufbauten auf unserem Fahrgestell hergestellt wurden. Des weiteren besteht die Möglichkeit, daß auch die Karosseriefirrna Eugen Rappholz auf dieser Rahmenbasis ein Kombifahrzeug gebaut hat.


Nicht immer wurden die Fahrzeuge sofort nach der Auslieferung bei diesen Firmen umgebaut. Es gab durchaus auch Fälle, in denen dies erst nach langjähriger Nutzung als PKW erfolgte. Zur Zeit kann auch nicht eindeutig geklärt werden, ob ausschließlich ganze Fahrzeuge ausgeliefert wurden, oder ob ähnlich wie bei den BAUR/Autenrieth-Aufbauten auch Fahrgestelle an diese Firmen ausgeliefert wurden. Zu vermuten ist dies schon aus dem Grund, das zumindest die später gebauten Kombifahrzeuge ein sehr stark erhöhtes Dach hatten. Wenn also immer weniger auf der Normalform aufgebaut werden konnte, war ein Umbau auf Fahrgestellbasis mit Anbau von Serienteilen sicherlich preiswerter. Genaueres laßt sich nur bei Kenntnis der Fahrgestellnummer nachvollziehen, diese sind allerdings nur bei wenigen Fahrzeugen bekannt.


1957 wurde auf dem Freigelände der IAA in Frankfurt ein BMW 501 mit Miesenkarosserie gezeigt, aber an eine BMW-eigene Fertigung wollte man wohl doch nicht denken. Aus diesem Grund waren die Kombifahrzeuge ausschließlich Sonderaufbauten von diversen Karosseriefirmen. Diese konnten sich dann allerdings auch den speziellen Kundenwünschen anpassen.

Ein besonderes Merkmal des Rahmens ist das fast 80 cm hoch angebrachte Querrohr, an welchem die Hinterachse hängt. Dies ist bei Nutzung als Lieferwagen leider nachteilig, da dies automatisch zu einer hohen Ladefläche führt. Vielleicht war dies, neben dem hohen Grundpreis unserer Fahrzeuge mit ein Grund dafür, daß trotz des stabilen Rahmens nur wenige Kombis gebaut wurden. Ein weiterer Nachteil mag gewesen sein, daß ab dem Fahrerrücksitz nicht übermäßig viel Platz nach hinten vor handen war.


Die Bestattungswagen auf unserer Rahmenbasis waren ausschließlich zweitüng. Es war weder Begleitpersonal erforderlich, noch bot sich die Möglichkeit, Trauergäste mit zu befördern.

Bei den Krankenwagen war die Sachlage eine andere, hier war es von Vorteil, wenn das Begleitpersonal seitwärts einsteigen konnte um Verletzte oder Kranke zu versorgen. Hierbei gab es auch eine Zwitterlösung mit 3 Türen (rechts 2-türig, links 1-türig).